Öffentlicher Nahverkehr USA

In vielen amerikanischen Städten, allen voran ist hier wohl Los Angeles zu nennen, hat jahrelang das Denken vorgeherrscht, dass mehr Straßen zu einer Entlastung der Städte vom Individualverkehr führen würden. Daher wurden öffentliche Steuergelder in den sechsspurigen Ausbau von Autobahnen gesteckt, die sich mitten in der Innenstadt mit anderen Autobahnen kreuzen. Erst am Ende des letzten Jahrhunderts kam es in vielen Städten zum Umdenken. So ist es nicht verwunderlich, dass selbst Millionenstädte oft nur über einen halbwegs funktionierenden Stadtbusverkehr verfügen, häufig mit für europäische Verhältnisse planlos anmutenden Linien entlang der wichtigen Ausfallstraßen und ohne zentrale Umsteigepunkte.
Straßenbahnen dienen häufig nur der touristischen Attraktion anstatt Pendler von und zur Arbeit zu bringen. U-Bahnen gibt es fast nur in den nordöstlichen Metropolen, in Chicago oder Kalifornien. Einige Städte haben darüber hinaus noch einen halbwegs funktionierenden Vorortverkehr, wobei die Fahrpläne fast ausschließlich auf Pendler bezogen sind, mittags oder am Wochenende herrscht oft Stillstand.

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Touristen selbst in den Großstädten lieber mit dem Mietwagen von Attraktion zu Attraktion zuckeln als sich durch das undurchsichtige Nahverkehrsangebot zu quälen. Dabei sind die Fahrpreise meist sehr viel billiger als in Europa. Fast alle Städte bieten inzwischen stark vergünstigte Tages- oder Mehrtagespässe an, die eine unbegrenzte Nutzung ermöglichen. Aber auch Einzelfahrten sind relativ billig, gibt es doch meist keine Zonentarife für den Busverkehr und selbst für Expressbusse wird oft nur ein kleiner Zuschlag erhoben.
Hauptproblempunkt für die Nutzung ist aber der Informationsgewinn. Viele Einheimische fahren grundsätzlich nicht mit dem Bus, können also dazu auch keine Fragen beantworten. Es gibt kaum zentrale Informationsstellen, die Haltestellen sind vor allem abseits der Innenstädte schlecht oder gar nicht beschriftet. Die Linienführung widerspricht oft touristischen Belangen, die Taktzeiten sind zwar meist erstaunlich kurz, aber durch unterschiedliches Verkehrsaufkommen auch wenig berechenbar. In den Bussen gibt es fast ausnahmslos keine Haltestellenanzeige oder -ansage, ganz zu Schweigen von einem Netzplan. Statt ausgeschilderten Umsteigestationen mit Anschluss findet man Kreuzungen, an denen man erst nach der richtigen Haltestelle suchen muss.

Erkundet man dennoch eine Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sollte man einiges beachten. Zum Einsteigen gibt man dem Busfahrer ein Handzeichen, sonst rauscht der Bus einfach vorbei, selbst wenn es nur eine Linie gibt, die dort entlang führt. Zum Aussteigen zieht man im Bus an einem Seil, das entlang der Fenster liegt und dem Busfahrer das Zeichen weitergibt. Nicht zu zeitig ziehen, Haltestellen befinden sich meist an jeder Straßenecke. Ist man sich unsicher, sollte man den Busfahrer beim Einstiegen Bescheid geben, die meisten halten dann auch ohne Seilzug oder rufen die Haltestelle über den Lautsprecher aus. In fast allen Bussen kann oder muss man bar bezahlen und zwar passend, Wechselgeld gibt es in der Regel nicht. Einige Großstädte haben Metallstreifenkarten oder Token, die man im Vorverkauf erwirbt und beim Fahrer durchzieht oder einwirft. Zum Umsteigen verlangt man im ersten Bus ein kostenloses oder sehr günstiges Transfer-Ticket, dass man danach nur noch vorzeigen muss. Generell sind die Busfahrer die besten Ansprechpartner für Fragen und Probleme.
In einigen Städten gibt es auch U-Bahnen und Stadtbahnen (Light Rail). In der Regel gelten die Tickets dann sowohl hier als auch im Bus. Tickets müssen bei den Bahnen aber fast ausnahmslos im Vorverkauf gelöst werden, die meisten Haltestellen und Stationen verfügen aber über einen Schalter oder wenigstens einen Automaten, an dem man im Gegensatz zum Bus aber auch Mehrtagespässe bekommt. Die Tickets sollte man bis zum Ende der Fahrt aufbewahren, um durch die Sperren zu gelangen. Die U-Bahnen sind im Zentrum in der Regel videoüberwacht, sauber und sicher, im Vorortbereich kann das etwas anders aussehen. Die Haltestellen werden angesagt, in den Zügen gibt es in der Regel auch Netzpläne. Beim Aussteigen sollte man auf die Beschilderung achten, denn die Stationen sind unterirdisch oft weit verzweigt und es nicht so einfach den richtigen Ausgang zu finden. Zum kostenlosen Umstieg darf man die Sperren nicht verlassen, bei kreuzenden Linien gibt es immer einen direkten Weg ohne Sperre.

Für touristische Belange meist bedeutungslos sind die Vorort- oder Pendlerzüge. Hier gibt es ein zonen- oder entfernungsabhängiges Tarifmodell. Allerdings verkehren nur wenige Züge außerhalb der Pendlerzeiten, touristische Ziele sind meist besser über Busse zu erreichen. Allenfalls die zunehmende Anbindung an Flughäfen kann für Reisende interessant sein. Hier lockt auch eine ordentliche Ersparnis gegenüber dem Transfer mit Taxi oder Shuttlebus. Allerdings sollte man sich vorher genau informieren, wo die Züge in der Innenstadt halten und wie man von dort zum Hotel kommt. Weitere Umstiege in Busse oder Bahnen bzw. ein längerer Fußmarsch bringen nicht nur zusätzliche Kosten, sondern auch gewaltige Komforteinbußen mit sich.

Interessant könnten die Vorortzüge wie auch die U-Bahnen und Stadtbahnen weiterhin für die Unterkunftssuche sein. Hotels oder Motels außerhalb haben häufig wesentlich günstigere Tarife und locken mit kostenlosen Parkplätzen. Die Suche nach solchen Unterkünften, die noch dazu in der Nähe einer Bahnstation liegen, kann aber sehr aufwendig sein. Außerdem muss man immer einen Blick auf den Fahrplan werfen, was besonders für das Wochenende, den späten Vormittag oder Abend gilt. Auch die Zusatzkosten durch den Nahverkehr und den Zeitverlust sollte man im Auge behalten.

Zu den Städten, die über ein empfehlenswertes Nahverkehrsnetz verfügen, gehören New York City, Boston, Philadelphia, Washington D.C., Chicago und San Francisco. Hier kann man das Auto getrost stehen lassen und die Sehenswürdigkeiten mit Bus und Bahn besuchen. Orlando, Miami, San Diego oder Seattle bieten ein gutes Bus- und Bahnnetz. Hier liegen jedoch viele Attraktionen, aber auch günstige Unterkünfte weit außerhalb der Innenstadt. Fahrten mit Bus und Bahn sind dann häufig mit mehreren Umsteigevorgängen verbunden, will man dennoch auf das Auto verzichten, sollte man bei der Wahl der Unterkunft darauf achten, dass diese gute Verbindungen zu den gewünschten Sehenswürdigkeiten hat. Die meisten anderen Großstädte sind nur dann ohne Auto empfehlenswert, wenn man sich auf bestimmte Attraktionen beschränkt und diese gut von der Unterkunft zu erreichen sind.

In kleineren Städten gibt es wenn überhaupt nur einen sehr eingeschränkten Busverkehr und ein paar Schulbusse. Verbindungen in die Nationalparks sind äußerst selten, abgesehen vom Grand Canyon und dem Yosemite NP. Dafür gibt es in einigen Parks die Möglichkeit oder Pflicht, das Auto stehen zu lassen und parkeigene Shuttlebusse zu benutzen. Eine wachsende Anzahl solcher Angebote nicht nur in Nationalparks wäre genauso wünschenswert wie ein verbessertes Angebot im städtischen Nahverkehr für Reisende und Touristen.

Siehe auch
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