Banff Nationalpark

Koordinaten: 51°9'56"N, 115°51'03"W
Am Banff Nationalpark in den kanadischen Rocky Mountains scheiden sich die Geister: Unbestritten liegen in dem 6.600 Quadratkilometer großen Schutzgebiet einige von Kanadas schönsten Landschaften: Namen wie Lake Louise, Moraine Lake mit dem Valley of ten peaks, Peyto Lake, Sulphur Mountain, Mistaya Canyon und Crowfoot Glacier lassen das Herz jeden Naturfreundes höher schlagen. Doch mit etwa fünf Millionen Besuchern pro Jahr ist die Grenze der Belastbarkeit eben jener Natur in Kanadas erstem, Nordamerikas zweitem und der Welt drittem Nationalpark erreicht. Oder sogar überschritten, wie einige Naturschützer warnen. Bei anderen Parks, die von einer Flut an Touristen überlaufen zu werden drohen, spricht man schon von einer „Verbanffisierung“.
 

Zwei Eisenbahnlinien und der vierspurige Trans Canada Highway schlängeln sich ebenfalls durch Teile des Parks. Der Highway ist im Sommer so stark frequentiert, dass sich teilweise Staus bilden und für die Tierwelt bereits Über- und Unterführungen gebaut und an den Rändern Zäune aufgestellt wurden. Nicht nur für die Tiere endet das Zusammentreffen mit dem modernen Autoverkehr oft tödlich. Der Park ist zwar - nach deutschen Maßstäben – riesig, doch ein Großteil dieser Landschaft besteht aus steilen, felsigen Bergen oder ist ganzjährig unter Schnee und Eis begraben. Und in dem engen Haupttal des Bow Rivers, das für die Tiere den wichtigsten Lebensbereich darstellt, dehnen sich neben Highway und Zuglinien noch eine Nebenstraße und das 6.000 Einwohner-Städtchen Banff aus. Selbst im Winter gibt es keine Ruhe für die Natur, gilt die Region doch zu Recht als eines der schönsten und schneesichersten Skigebiete der Welt. Banff ist also ein Nationalpark, dem seine eigene Schönheit zum Verhängnis werden könnte.

Dazu ist der Park noch so einfach und schnell zu erreichen: Von Edmonton sind es 400 und von Calgary gar nur 128 Kilometer bis zur Ortschaft Banff. Für kanadische Verhältnisse ist das ein „Klacks“. So bieten viele Reiseveranstalter günstige Komplettpakete: Flug mit Wohnmobil für zwei oder drei Wochen. Für diejenigen, die auch den angrenzenden, aber weniger frequentierten Jasper Nationalpark besuchen wollen, bietet sich ein Gabelflug an: Hinflug nach Calgary, durch Banff und Jasper Park bis nach Edmonton und von dort zurück nach Deutschland. Auch diese Variante wird oft angeboten. Die meisten Touristen – insbesondere deutsche und japanische – erleben den Park jedoch im Schnellverfahren: Morgens mit dem komfortablen Bus von Calgary in den Banff Park, Stopp an den Sehenswürdigkeiten, eine Übernachtung in Banff, das gleiche im Jasper Nationalpark und weiter zum nächsten Kanada-Highlight.
 

Der Nationalpark entstand 1885, als während des Baus der Eisenbahnlinie einige Arbeiter eine Höhle mit einem Becken, das durch das Wasser einer heißen Quelle gefüllt wurde, entdeckten. Sie konnten sich nicht über die Verwertung ihrer „Entdeckung“ – den Natives war dieser Platz schon lange bekannt – einigen, was sich durch die Erklärung zum Nationalpark erübrigte. Um die Quelle herum, die heute eine nationale historische Stätte ist, entstand auf 1.384 Meter Höhe die Ortschaft Banff. Den Namen bekamen Park und Ortschaft zu Ehren zweier Geldgeber der Canadian Pacific Railway, die aus dem schottischen Banffshire stammten.

Beste Reisezeit:
Hauptsaison im Sommer ist etwa von Ende Juni bis Mitte September. Will man dem Trubel entgehen, sollte man die Hauptattraktionen bei Sonnenauf- und -untergang aufsuchen. Man stößt dann nur auf ein paar andere Leutchen und das Licht ist für Fotos zu dieser Zeit am besten. Für tagsüber empfehlen sich Wanderungen zu den nicht so bekannten, aber oftmals ebenso schönen Landschaften, die es in allen Längen und Schwierigkeiten gibt.
Sehr interessant – nicht nur preislich - sind Vor- und Nachsaison, ab circa Anfang Juni und dann wieder von Mitte September bis Mitte Oktober. Allerdings müssen sich die Besucher dabei nachts auf Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Schneefall gefasst machen. Wegen des Schnees können jedoch Nebenstraßen wie etwa zum Moraine Lake unter Umständen noch bzw. schon gesperrt sein.

Anreise:
Zahlreiche Fluggesellschaften (z.B. Air Transat, Air Canada, Lufthansa, LTU) bieten Flüge aus Deutschland nach Calgary und Edmonton an. Man kann zwar mit dem Bus nach Banff fahren, ab dort ist man dann aber aufgeschmissen. Wegen der großen Entfernungen zu den einzelnen Attraktionen im Park und den Startpunkten der Wanderungen ist ein motorisierter Untersatz erforderlich.
 

Unterkunft:
Es gibt zahlreiche Zeltplätze, Hostels, Bed & Breakfast, Motels und Hotels im Banff Nationalpark. Wegen des großen Andrangs im Sommer sind die Preise recht hoch und es sollte für diese Zeit auch reserviert werden. Die meisten Campingplätze sind mehr auf Wohnmobiltouristen ausgelegt. Wildes Campen oder das Übernachten im Wohnmobil auf einem Parkplatz ist jedoch verboten.

Verpflegung
In der Ortschaft Banff gibt es viele gute Restaurants und die in Nordamerika omnipräsenten Fast Food Ketten. Selbstverpfleger finden eine reichliche Auswahl in den Supermärkten, wobei die Preise relativ hoch sind. Auch in der winzigen Ortschaft Lake Louise kann man übernachten, einkaufen, essen und tanken.

Parkverwaltung:
Banff National Park, P.O. Box 900, Banff, AB, T0L 0C0, Telefon: (403) 762-1550, Banff Nationalpark. Das Infocenter der Parkverwaltung liegt direkt an der Hauptstraße 224 Banff Avenue. Hier gibt es umfassendes schriftliches Informationsmaterial, Karten usw. und natürlich auch persönliche Informationen. Außerdem meldet man sich hier für mehrtägige Wanderungen an und zahlt den zusätzlichen Obolus für diese Aktivitäten.
In Lake Louise gibt es ein zweites Besucherzentrum des Banff Nationalparks, das fast die gleichen Leistungen bietet: Lake Louise Visitor Centre, Samson Mall, Telefon: (403) 522-3833.
 


Parkattraktionen:
Ortschaft Banff und Umgebung
Nicht weit vom Ortskern liegt „Cave and Basin“, die Geburtstätte des Banff Nationalparks. Plantschen darf man hier jedoch nicht mehr. Nahe der Innenstadt fährt eine Seilbahn auf den 2.285 Meter hohen Sulphur Mountain. Die Aussicht ist auf das von majestätischen Bergen umgebene Städtchen Banff ist gigantisch und man kann auch zu einer nahen Wetterstation wandern. Kurz bei ist ebenfalls das berühmte Banff Springs Hotel an den Wasserfällen des Bow Rivers.
Ein Rastplatz für Zugvögel sind die drei Vermilion Lakes, die durch eine 4,5 Kilometer lange Uferstraße erschlossen sind. Hinter einander und etwa zehn, zwölf und 14 Kilometer von der Ortschaft Banff entfernt liegen der Lake Minnewanka, der Two Jack und der Johnson Lake, die sich sehr gut für Picknicks eignen und an denen einige Campingplätze liegen. Hier kann man auch einen kurzen Sprung ins Wasser wagen, ohne direkt Schock gefroren zu werden, da die Seen sehr flach sind und das Wasser somit von der Sonne aufgeheizt wird.

Ortschaft Lake Louise und Umgebung
Rund 58 Kilometer in nördlicher Richtung sind es auf dem Trans Canada Highway von Banff nach Lake Louise. Alternativ kann man den parallel verlaufenden Bow Valley Parkway 1A fahren, den ersten Teil mit Rücksicht auf die Tierwelt allerdings zwischen Anfang März und Ende Juni nicht abends von 18 bis 21 Uhr. Diese Nebenstraße muss man etwas langsamer befahren, hat aber gute Chancen, Tiere zu sehen.
Der Lake Louise selbst und das zugehörige Chateau stehen natürlich ganz oben auf der Liste der Sehenswürdigkeiten. Von dort führt eine schmale, kurvige Nebenstrecke zum Valley of ten peaks und dem Moraine Lake. Fantastisch wie sich die zehn Gipfel im türkisen Wasser des Gletschersees spiegeln. Früher war diese Aussicht auf dem 20-Dollar-Schein abgebildet und wird deshalb auch „20 Dollar View“ genannt.
Bei Lake Louise knickt der Trans Canada Highway nach Westen ab und führt in den Yoho Nationalpark.
 

Icefields Parkway
Weiter nach Norden führt der Icefields Parkway, der als eine der Traumstraßen der Welt gilt. Nach 34 Kilometern passiert man den sehenswerten Crowfoot Clacier, nach 40 Kilometern den in der Sonne wie ein Juwel glitzernden Peyto Lake und nach 72 Kilometern den Mistaya Canyon, der auf einem kurzen Wanderweg begangen werden kann. Nach rund 130 Kilometern gelangt man zum 325 Quadratkilometer großen Columbia Eisfeld, das unmittelbar hinter der „Grenze“ zum benachbarten Jasper Nationalpark liegt.




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