Eisenbahnreisen Kanada

Ähnlich wie in den USA wird auch in Kanada der Großteil des Personenverkehrs auf der Schiene über eine halbstaatliche Gesellschaft, VIA Rail, abgewickelt, die als künstlicher Zusammenschluss vormals privater Eisenbahngesellschaft gegründet wurde. Obwohl das Netz äußerst dünn ist, sind alle wichtigen Städte des Landes an die Eisenbahn angebunden oder über Anschlussbusse unkompliziert erreichbar. Lediglich die Provinzen im Norden des Landes sind nur per Bus oder Flugzeug angeschlossen.
Eine weitere Gemeinsamkeit zur USA besteht im Spagat, der versucht wird, um sowohl den touristischen Bedürfnissen im Westen als auch den Geschäftsleuten im Osten gerecht zu werden. Mehrmals pro Tag verkehren moderne Tageszüge im sogenannten Corridor zwischen Québec, Montréal, Ottawa, Toronto und London teilweise mit hohen Geschwindigkeiten. An die Ostküste nach Halifax gibt es genauso Verbindungen wie in den Westen, diese Züge verkehren allerdings nicht täglich.

Zugfahren in Kanada ist relativ teuer, gerade auf den langen Strecken ist selbst das Fliegen viel billiger. Schon daran erkennt man, dass auf vielen Strecken in erster Linie Touristen transportiert werden. Entsprechend präsentiert sich VIA Rail auch eher als Reiseveranstalter, der neben den Tickets auch passende Unterkünfte und Ausflüge vermarktet. Sonderangebote gibt es vor allem für die Corridor-Züge, die sich aber meist an Geschäftsleute richten.
Günstig dagegen sind die Rail Pässe, die man für das ganze Land oder die Corridor-Züge kaufen kann. Der Wehrmutstropfen folgt allerdings schnell, denn die Hauptsaisonpreise reichen von Juni bis Mitte Oktober und die Leistungen sind gering im Vergleich zu den USA Rail Pässen. So darf man an gerade 12 Tagen innerhalb eines Monats fahren und für ein paar Extra-Dollar noch bis zu drei Extratage hinzukaufen. Der Pass, der online, am VIA-Schalter in Kanada oder in einigen Katalogen und Reisebüros in Deutschland erhältlich ist, gilt noch nicht als eigenständiges Ticket, kostenlose Fahrkarten erhält man vor Reiseantritt am Schalter, eine Reservierung in der Hauptsaison besonders in den Fernzügen wird dringend empfohlen.
Die Reservierung bezieht sich allerdings nicht auf einen bestimmten Sitzplatz, sondern garantiert nur die Mitnahme, da es keine Stehplätze gibt. Die Sitzplätze werden bereits im Bahnhof oder beim Einsteigen vergeben, Kinder und Gruppen haben Vorzug. In den Corridor-Zügen werden nach und nach auch garantierte Sitzplatzreservierungen angeboten, so dass man bereits beim Fahrkartenkauf zwischen Fenster und Gang wählen kann oder die Gruppe bzw. Familie um sich hat.

VIA Rail unterscheidet sich verschiedenen Klassen. Neben der einfachen Economy Class ohne irgendwelche Privilegien gibt es in den Corridor-Zügen die VIA 1st Class, die neben komfortableren Sitzen vor allem eine Mahlzeit inklusive bietet. Die First Class der Nachtzüge hat je nach Strecke vor allem einen klangvollen Namen. Daneben gibt es aber auch ein eigenes Abteil und eine Dusche in Abteilnähe. Natürlich sind auch alle Mahlzeiten im Preis inklusive. Die Getränke in der Lounge sind nicht umsonst, wohl aber das Flair. Bevorzugte Behandlung am Bahnhof und im Zug gehört auch zu den Privilegien.
Aber auch die einfache Economy Class bietet eine Menge Komfort, geräumige Sitze, Fuß- und Lendenstützen, Leselampe und Klapptisch. Für kleinere Snacks, Burger, Hot Dogs, Salate sowie kalte und heiße Getränke kann man das empfehlenswerte und nicht überteuerte Bistro oder Cafe aufsuchen. Auch die frisch zubereiteten Speisen im Zugrestaurant bieten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die grandiose Landschaft vor allem im Westen genießt man am besten aus dem Aussichtswagen mit teilverglastem Dach.
Mit Ausnahme der Corridor-Züge gilt ähnlich der Amtra-Züge auch in Kanada, dass der Fahrplan oft nur theoretischer Natur ist. Garantierte Anschlüsse an andere Züge oder Busse kann man dem Fahrplan entnehmen, ansonsten sollte man eher großzügig planen und im Anschluss an Fernstreckenfahrten lieber eine Übernachtung mehr einplanen.

Auf dem VIA-Streckennetz gibt es einige spektakuläre Streckenabschnitte, vor allem im Westen, Richtung Hudson Bay oder an der Ostküste. Nicht vergessen sollte man aber, dass zum Beispiel der legendäre Canadian von Vancouver nach Toronto große Teile der Rocky Mountains nachts passiert. Hier kommt glücklicherweise der Rocky Mountaineer zum Zuge. Der Privatzug verbindet Vancouver, Kamloops, Jasper, Banff und Calgary im Tagesverkehr mit Hotelübernachtungen und Ausflügen in die Nationalparks um Jasper und Banff. Auch im Norden Ontarios geht mit dem Northlander ein berühmter Privatzug in den Start, um Toronto mit dem äußersten Norden der Provinz zu verbinden.
Eisenbahnrundreisen in Kanada sind ohne entsprechende Zusatzausflüge eigentlich nur halb so schön, gerade im Gebiet der Rocky Mountains sollte man ein paar Tage ohne Zug einplanen oder wenigstens eines der schönen Ausflugsprogramme dazu buchen.

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