Fleury-devant-Douaumont

Koordinaten: 49°11'52"N, 5°25'40"E
Fleury-devant-Douaumont ist eines von neun Dörfern in Lothringen, das der Schlacht um Verdun zum Opfer fiel. Vor dem Krieg wohnten etwa 422 Menschen in Fleury. Während des Ersten Weltkrieges wurde das Dorf vollständig zerstört und die Umgebung mit Munition und Giftgas so verseucht, dass ein Wideraufbau nicht mehr möglich war. Wie den im Kampf gefallenen Soldaten wurde auch Fleury der Ehrentitel "Mort pour la France" (Für Frankreich gefallen) zu Teil.

Bei den anderen acht zerstörten Dörfern ("Villages détruits") handelt es sich um Beaumont-en-Verdunois, Bezonvaux, Cumières-le-Mort-Homme, Douaumont, Haumont-près-Samogneux, Louvemont-Côte-du-Poivre, Ornes und Vaux-devant-Damloup.

Fleury um 1900


Bis zum Ersten Weltkrieg fristete Fleury-devant-Douaumont ein arbeitsames, doch friedliches Dasein. Seit jeher richteten sich die Tage und die Arbeit nach dem Takt der Jahreszeiten: Aussaat und Ernte, Waldarbeit und Weinlese, Hungersnot und Wohlstand im Wechsel.

Bei den Invasionen von 1792, 1814 und 1870 bleiben diese bewaldeten Höhen, wo es noch Wölfe gab, verschont. Die Zeit schien in Fleury-devant-Douaumont stillzustehen. Ab 1870 begann sich das Dorf plötzlich zu entwickeln. Die Schmalspurbahn von Verdun-Douaumont führte jetzt über Fleury-devant-Douaumont. Der Bau der Redoute in Souville, der Befestigungen von Tavannes, Froideterre und der Zwischenbauten bringen ein Heer von Arbeitern und Soldaten in die stillen Dorfstraßen.

Im August 1914 sahen die 400 Dorfbewohner die Regimenter von Verdun auf dem Weg in die Ebene von Woëvre an ihren Haustüren vorbeimarschieren. Mit der Schlacht an der Marne im September rückte die Frontlinie auf nur wenige Kilometer nördlich und nordöstlich an das Fleury heran. 1915 gehörte das Dorf, noch unbeschädigt und mit Truppen überfüllt, zur befestigten Region von Verdun.

Fleury 1916


Am 21. Februar 1916 wird Fleury-devant-Douaumont aus dem Schlaf gerüttelt. Das Bombardement hat begonnen. Es läutet den Ansturm der Deutschen ein. Es schneit und der Horizont ist feuerrot. Nachrichten sind rar und widersprüchlich. Der Befehl zur Evakuierung der Dörfer wird gegeben. Die Bewohner brechen auf, auf Karren zusammengedrängt. Sie treiben das Vieh vor sich her. Der Menschenstrom bewegt sich hinunter in Richtung Bras sur Meuse und Verdun. Auf ihrem Weg begegnen ihnen die Nachschubtruppen, die in entgegengesetzter Richtung im Eilschritt zur Front marschieren. Am 24. Februar rückt die Einnahme der Befestigung von Douaumont das Dorf Fleury-devant-Douaumont in Sichtweite der deutschen Truppen. Unter dem Geschosshagel stürzen die Dächer der Häuser ein, während die Keller kurzerhand zu Schützengräben und Widerstandsnestern umfunktioniert werden. Doch die Zerstörung von Fleury-devant-Douaumont schreitet unaufhaltsam fort. Im Mai bleibt von dem einst blühenden Dorf nur noch eine Ruine, aus der die Rauchschwaden aufsteigen. Am 7. Juni, nach dem Verlust von Fort Vaux liegt der Ort direkt an der Frontlinie.

Das Dorf, zwischen Froideterre und Souville an der Spitze der Schlucht de la Poudrière et des Vignes gelegen, wird zu einer strategischen Schlüsselposition. Diese Stellung zu erobern, gäbe den Deutschen die Chance weiter vorzurücken, sie zu halten würde bedeuten, die Pforte zu versperren, die sich gegen Verdun hin öffnet.

So beginnt der Todeskampf von Fleury-devant-Douaumont; in den Wochen von Juni bis August 1916 nimmt das Drama seinen Lauf, der Feind setzt zum letzten, entschlossenen Ansturm auf Froideterre-Souville an. Im Lauf der Schlacht wechselt Fleury-devant-Douaumont nicht weniger als 16 Mal den Besatzer. Am 23. Juni marschieren die besten Kronprinz-Truppen, das Bayrische und das Alpenkorps, in das Dorf ein, nachdem zuvor Tausende Geschosse, darunter auch Gasgranaten, eingeschlagen hatten.

Um diesen gnadenlosen Vormarsch aufzuhalten, opfert sich das 121. Bataillon der Chasseurs à pied – und wird in der darauffolgenden Nacht aufgerieben; doch die 260. Brigade rückt nach. Es folgen erbitterte Kämpfe auf diesem nur einige Hektar großen Flecken der Erde. Am 23. Juni eingenommen, wird Fleury-devant-Douaumont am 24. zurückerobert; sofort wieder verloren, am nächsten Morgen wieder besetzt, und dann wieder verloren. Am 27. krallt sich ein Bataillon des 241. Infanterieregiments am südlichen Rand fest und versperrt den Zugang. Am 11. Juni setzen die Deutschen zu einem letzten verzweifelten Angriff an, mit Flammenwerfern im Vorfeld kämpfen sie sich im sauren Staub der Explosionen durch und eroberen die Poudrière, die von zwei Bataillons der 255. Brigade unter dem Befehl von Oberst Coquelin de Lisle verteidigt wird.

Einige feindliche Soldaten dringen sogar bis ins Dorfzentrum vor, von den Deutschen wegen des Aussehens auf den Luftaufnahmen „Filzlaus“ genannt, ziehen sich dann aber mit einigen Gefangenen zurück.

Die terrassierte Anlage, die heute noch zu sehen ist, war der äußerste Zipfel, zu dem die deutschen Truppen in Richtung Verdun vorstießen.

Die Poudrière, von den Deutschen „M. Raum“, (Munitionsraum) genannt, die vor dem Krieg gleichzeitig mit den Schützengräben von Verdun erbaut wurde, war als vorgerücktes Munitionslager für die Artillerie gedacht, von wo aus die Geschütze der Festung oder der Landstriche zwischen Douaumont, Thiaumont, Froideterre und Fleury-devant-Douaumont, sowie kleinere, über ein Schmalspurgleis verbundenen Munitionslagern schnell versorgt werden konnten. Es handelt sich um einen ca. zehn Meter tiefen Schutzbunker im Felsen, der zwei Eingänge hat.

Innen in den Gängen sind Spuren von den 60 cm Gleisen und den Drehscheiben erhalten, die bis zum Beginn der Schlacht die Zulieferung der Munition zur Artillerie gestatteten. Im hinteren Teil lag ein großer Raum, in dem der Rettungsdienst eingerichtet war. Am Eingang, entlang der Piste (Pfad zur Entdeckung der la Poudrière de Fleury-devant-Douaumont), sind Spuren vom ehemaligen Wachposten erhalten geblieben, wo Oberst Coquelin de Lisle an diesem 11. Juli 1916 den Tod fand.

200 Meter in Richtung Süd-Südwest liegt das Grab vom Gefreiten Rachel, der am gleichen Tag fiel. Vom 13. Juli bis 5. August tobten die erbitterten Kämpfe rund um die Dorfruinen, die im Chaos des Schlachtfelds zu versinken schienen. Am 17. und 18. August setzte das koloniale Infanterieregiment von Marokko, das seit zehn Tagen in den Ruinen kämpfte, unter den Klängen der Marseillaise zum Sturm an, und erobert das Dorf endgültig zurück. Im Oktober und November war Fleury-devant-Douaumont schließlich der Ausgangspunkt für die Offensiven, bei denen die Forts Douaumont und Vaux zurückerobert wurden.

Fleury nach dem Krieg


Die wiederaufgebaute Kapelle von Fleury-devant-Douaumont
Die wiederaufgebaute Kapelle von Fleury-devant-Douaumont 
1918 ist Fleury-devant-Douaumont ein Dorf mit dem Ehrentitel "für Frankreich gefallen". Das französische Vaterland erweist sich Fleury, wie auch den acht anderen Dörfern der Front von Verdun gegenüber, als dankbar und erhält dem Dorf die juristische Persönlichkeit. Fleury-devant-Douaumont hat einen Bürgermeister; Fleury-devant-Douaumont hat seine Getreuen.

Fleury-devant-Douaumont bleibt bestehen. Der Nationalverband für die Erinnerung an die Schlacht von Verdun und die staatliche Forstverwaltung lassen den alten Straßenzug und den Standort der Häuser freilegen. Der Besucher kann den Dorfbrunnen besichtigen, wo wieder klares Wasser plätschert, ferner die Standorte einstiger Bauernhöfe, der Schmiede, der Schule, der Kirche, … Daneben wurde 1967 auf dem einstigen Ortsgebiet mit dem Mémorial de Verdun ein Museum errichtet, das über die Schlacht von Verdun informiert.

Seit 1979 verkündet die Notre Dame de l’Europe von der Fassade der Votivkapelle herab eine Botschaft für Brüderlichkeit und Frieden an die Menschen, die hierher pilgern, um sich vor den Opfern und dem Leid der beiden Feinde von damals, die jetzt versöhnt sind, zu verneigen.




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