Fort Douaumont

Koordinaten: 49°13'01"N, 5°26'20"E
Fort Douaumont
Fort Douaumont 
Erst von den stählernen MG-Türmen der Festung Douaumont aus können die Ausmaße des Geländes, das die Bauingenieure des französischen Militärs ab 1885 in eine sagenhafte Verteidigungsanlage verwandelt haben, in ihrem vollen Umfang erfasst werden. Von dieser 395 Meter hoch gelegenen Beobachtungsstelle können die sich im Norden anschließende Ebene, die Anhöhe Froideterre-Thiaumont, der in Terrassen abfallende, östlich gelegene Hang Josémont und die Hügel Kardaumont und Bezonvaux eingesehen werden, die die letzten Verteidigungspunkte vor den Steilhängen der Meuse-Anhöhe bilden.

Im Jahre 1914 gehören zu dieser seitlich von vorgestellten Wehranlagen und dem nahegelegenen Dorf flankierten "Zitadelle" die Festung selbst sowie Geschützstellungen, Unterstände, unterirdische Waffenlager und ein nicht fertiggestellter außen liegender Waffendrehstand. Es ist daher leicht verständlich, dass die deutschen Befehlshaber nach der kampflosen Übernahme der Festung am 25. Februar 1916 optimistisch gestimmt waren. Doch von diesem Augenblick an wurde der Betonpanzer dieser Anlage zum Angelpunkt der französischen Gegenangriffe und Schauplatz der erbittertsten Kämpfe.

Der in den hinteren Linien der deutschen Armee im nahegelegenen Wald "Bois de l’Hermitage" stationierte Werner Beumelburg überlieferte eine Momentaufnahme des Gebiets um Douaumont vom Mai 1916: "Tagesanbruch nach einer Mainacht. […] Der Hügel Hardaumont liegt wie ein schwarzer Sarg. Weiter hinten senkt sich nach und nach der Horizont und gibt Blick auf ein schwarzes, zerrissenes, formloses Chaos. Der Wald Bois de la Cailette. Und geradeaus im Süden, der Berg mit der Festung. Rechts davon, das Dorf wo einst Häuser standen".

Er betonte dabei die wichtige Rolle, die den in den Festungsberg geschnittenen engen Talschluchten zufiel:
"Dahinter, Talschluchten, massenweise. Die Schlucht von Ablain (Ravin de la Couleuvre), die Pfefferminzschlucht (Ravin du Helly) mit dem vermaledeiten Überhang. Aber viele dieser Schluchten kann man von hier nicht sehen. Man sieht nur den Rauch aus ihnen hochsteigen, denn sie wurden von großkalibrigen Geschützen geradezu zerhackt".

Die weiter vorne in aufgewühlten Hängen versteckt liegenden Geschützstellungen und die "Todesschluchten" der "Fausse Côte" (mit ihren Gefechts- und Schutzbunkern) und der Wälder "Bois Triangulaire" und "Bois de la Cailette" verschlangen Einheit um Einheit.

Die Festung Douaumont wurde zum wichtigsten Stützpunkt der deutschen Offensive und beherbergte in ihren unterirdischen Gängen Ablösungstruppen sowie ein Material- und Verpflegungslager. Das war für die von der Außenwelt abgeschnitten lebende Armee nicht ungefährlich. Am Morgen des 8. Mai 1916 raffte eine durch einen Unfall im Munitionslager verursachte Explosion die ganze Garnison dahin.

Aufgrund ihrer logistischen Schlüsselstellung stand die Festung unter unablässigem Beschuss durch die französische Artillerie und wurde im Mai 1916 zur Vorbereitung des Angriffs auf Douaumont besonders heftig attackiert:
"Der Berg trägt eine Krone, eine Krone aus gelben Feuerstrahlen und schwarzen Schleiern. Der Berg brüllt unter seiner Krone, Nacht für Nacht […] Die Krone hat sich auf ihm festgesetzt wie ein Geschwür und wird ihn nicht mehr loslassen, bis er tot ist. Aber der Berg ist zäh. Er trägt seine Märtyrerkrone schon seit drei Monaten". (W. B.)

Vom 22. bis 25. Mai wurde unter General Mangin der Gegenangriff geführt. Die bis auf das Dach der Festung und an den östlichen MG-Turm vorgestoßenen französischen Truppen rieben sich beim Versuch auf, den Unterstand DV1 und das nahegelegene Munitionslager einzunehmen. Einige Soldaten drangen in die Festung ein, doch es gelang ihnen nicht, die deutschen Einheiten herauszujagen. Am dritten Tag waren die angreifenden Truppen zurückgeschlagen oder ausgelöscht. Erst am 24. Oktober gelang es den französischen Einheiten nach intensivem Beschuss mit 400 mm Geschossen die von ihrer Garnison großteils verlassene Festung zu stürmen und wieder in Besitz zu nehmen. Insgesamt war sie 8 Monate lang von den deutschen Truppen besetzt gehalten worden.

Um daraufhin zu jeder Jahreszeit die Verbindung aufrechterhalten zu können wurde im Jahre 1917 in dieser Mondlandschaft ein Laufgraben mit dem Namen "Boyau de Londres" (London-Graben) angelegt. Dieser in einer Zickzacklinie verlaufende enge Graben war ursprünglich teilweise verdeckt und getarnt gewesen und bestand aus Platten und Stahlbetonelementen in U-Form, deren Überreste noch heute in der Nähe der Festung erkennbar sind.




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