Koordinaten: 49°12'01"N, 5°28'13"E
Fort Vaux
Über das natürliche Dach von Fort Vaux führen Wege zu den Beobachtungs- und Gefechtsständen.
Unverwüstlich ragen die einstigen Stellungen aus den Grünen Wiesen heraus.
Schlafsaal der Soldaten von Fort Vaux.
Die winzige Krankenstation für die vielen Verwundeten der Front.
Geschütze, die Fort Douaumont Flankenschutz geben sollten.
Kapelle, in der sich später die einstigen Gegner nach dem Krieg jedes Jahr ab dem 1. Juni zur Aussöhnung und Vertiefung der Freundschaft trafen.
Die 8 km nordöstlich von Verdun in 350 Meter Höhe auf dem Hügelzug der Meuse-Anhöhen gelegene Festung Vaux war ein Glied des Verteidigungsgürtels, der großräumig um das Bollwerk Verdun angelegt worden war. Der draußen im Grünen errichtete mittelgroße und mit Beton und Schießständen bewehrte Bau überragte mit seinem klar erkennbaren trapezförmigen Grundriss die Dörfer Vaux und Damloup. An diesen Dörfern endeten die engen und tiefen Bergtäler, durch die die Eisenbahnlinie und die Verbindungswege nach Verdun verliefen. Damloup und Vaux waren typisch lothringische Dörfer, entlang einer zentralen Straße angelegt und von Gemüse- und Obstgärten umgeben, die schließlich in einem bunten Flickenteppich von Wiesen- und Ackerland übergingen.
Durch die zahlreichen von 1881 bis 1914 um diese Festung errichteten militärischen Verteidigungsanlagen war die natürliche Landschaft schon ein erstes Mal radikal verändert worden. Rechts und links von der Festung waren zur Verstärkung der Schusskraft gedrungen wirkende Geschützstellungen angelegt worden, deren eingegrabene Schießstände in 10 bis 20 Meter Umkreis mit Stacheldraht bewehrt waren. Davor, und vor allem am Rande des Vorsprungs, von dem das gesamte darunter liegende Gelände eingesehen werden kann, verliefen enge, gerade angelegte Verschanzungen für die Infanterie. Zwei Betonbunker vervollständigten diese große Wehranlage, deren Elemente durch ein umfangreiches Netz strategischer Transportwege verbunden waren, die an der Festung unter dem Schutz einer dichten Vegetationsdecke zusammenliefen.
Für den Bau der jeweiligen Elemente dieser Wehranlage, die das Gelände regelrecht in militärische Zonen aufteilten, wurden mehr Arbeitskräfte benötigt, als in den angrenzenden Gemeinden verfügbar waren. So wohnten zur Zeit der Errichtung der Großbauten, z.B. während der Betonierung der Festung (1888-1889), an die 1200 Arbeiter in diesem Gebiet, die hauptsächlich aus Limoges und Italien gekommen waren. Die Einwohnerzahl des Dorfes Vaux war zwischen 1901 und 1913 von 224 auf 287 angewachsen.
Schließlich wurde auch noch das bewaldete Gelände den militärischen Bedürfnissen angepasst. Dort, wo der Baumbestand Schutz bieten oder zur Tarnung dienen konnte, wurde er belassen (Bois de la Montagne, Bois de la Vaux Régnier). An Stellen, wo ein schützendes Vorfeld freigelegt, Flankenverteidigung ermöglicht oder optische Signale gesendet oder empfangen werden sollten, wurden breite, schnurgerade Schneisen geschlagen, wie zum Beispiel bei Chênoi, wo nur noch Gras und niedrige Sträucher verblieben. So verlor die Gemeinde Vaux zwischen 1881 und 1914 mit den Arbeiten zur Errichtung der verschiedenen Verteidigungsanlagen, die sich ab 1908 noch intensivierten, die Hälfte seines ursprünglichen Waldgebiets.
Fort Vaux während der Schlacht um Verdun
Zwischen dem 2. und dem 7. Juni 1916 hielt die Garnison des Forts unter dem Kommando von Major Raynal mehreren Angriffen der 50. Deutschen Infanterie-Division stand.
Hauptursache für Tod und Verwundung der Soldaten waren Granaten. Die Verletzungen waren meist schwerster Art! Abgetrennte Glieder, zerfetzte Körper, Granatsplitter hinterließen schreckliche, tiefe Wunden.
Der Einsatz von Giftgas führte zu nicht weniger schlimmen Verletzungen. Das Gas zerstörte fortschreitend die Lungen, so dass die Soldaten einen langsamen und qualvollen Tod durchleiden mussten! Die Verwundeten fürchteten insbesondere, allein und verlassen auf dem Schlachtfeld zu verrecken. Viele von ihnen starben einen langsamen Tod, während ihre Kameraden sich bemühten das Todesröcheln und die Hilfeschreie dieser Männer, denen nicht mehr zu helfen war, zu überhören. Nur diejenigen, die das Glück hatten, vom Schlachtfeld evakuiert werden zu können, hatten eine Chance zu überleben.
Wahnsinn ist eine nie heilende, leider oft vergessene Wunde der Seele. Der Zeitzeug Franck Roy berichtet in "Zeugnisse aus Verdun 14-18" von Jaques Pericard: "Die Verwundeten werden massenweise in die Kaserne, deren linkes Gebäude in ein Lazarett verwandelt wurde, eingeliefert. Die Majore operieren unaufhörlich. Und so unglaublich es auch sein mag, Amputierte Arme, Beine, Hände liegen durcheinander auf dem Boden, wie ein Haufen Abfall vor der Kaserne."
Bereits zu Beginn der Auseinandersetzungen wurde das Fernmeldesystem von Fort Vaux zerstört. Statt dessen setzten die Franzosen Lichtsignale und Brieftauben zur Kommunikation ein, darunter die berühmte "Le Vaillant" (Die Mutige). Diese Brieftaube wurde dafür mit dem Nationalorden ausgezeichnet wurde, dass sie tödlich verletzt am 4. Juni die letzte Nachricht von Major Raynal in die Citadelle Basse gebracht hat: "Noch halten wir die Stellung, doch werden wir mit Giftgas und Rauch beschossen. Wir brauchen dringend Verstärkung und erwarten umgehend ein Lichtsignal von Souville, das nicht mehr antwortet. Das ist meine letzte Brieftaube." Der Mangel an Trinkwasser und das vergebliche Warten auf Verstärkung zwangen Raynal schließlich zur Kapitulation.
Von da an wurde Fort Vaux pausenlos von der französischen Artillerie unter Feuer genommen. Seine Rückeroberung war eines der Ziele der Angriffe im Oktober 1916. Am 2. November räumten die Deutschen das Fort, ohne eine weitere Gegenoffensive abzuwarten. Am 3. November 1916 fiel das Fort wieder kampflos in französische Hände.
Fort Vaux in den Jahren 1917-18
Nach der Rückeroberung von Fort Vaux durch die Franzosen, machten sie sich umgehend daran, die beschädigten Fassaden wiederherzustellen und das Fort auszubauen und militärisch aufzurüsten. Es wurden MG-Kasematten errichtet sowie eine Artillerie-Beobachtungsglocke anstelle des im Februar zerstörten 7,5cm Geschützturms.
Die Wiederherstellung einer Zisterne und der Bau eines Brunnens sollte das Problem des Wassermangels lösen, und der Bau von Stollengängen sollte die einzelnen Teile des Forts miteinander verbinden (Koffer, Beobachtungsglocken, Casemates Bourges). Bis November 1918 wurden über 1830 m Galerien gegraben. Fort Vaux war ab April 1917 wieder voll bewaffnet.

