Indian Reservations

Geschichte
Bevölkerungsreichste Indian Reservations:*
Navajo Nation (Ariz.-N.M.-Utah) 175,228 Karte
Cherokee (Okla.) 104,482
Creek (Okla.) 77,253
Lumbee (N.C.) 62,327
Choctaw (Okla.) 39,984
Cook Inlet (Alaska) 35,972
Chickasaw (Okla.) 32,372
Calista (Alaska) 20,353
United Houma Nation (La.) 15,305
Sealaska (Alaska) 15,059
Pine Ridge (S.D.-Neb.) 14,484
Doyon (Alaska) 14,128
Kiowa-Comanche-Apache–Fort Sill Apache (Okla.) 13,045
Fort Apache (Ariz.) 11,854
Citizen Band Potawatomi Nation–Absentee Shawnee (Okla.) 10,617
Gila River (Ariz.) 10,578
Cheyenne/Arapaho (Okla.) 10,310
Tohono O'odham (Ariz.) 9,794
Osage (Okla.) 9,209
Rosebud (S.D.) 9,165
San Carlos (Ariz.) 9,065
Blackfeet (Mont.) 8,684
Yakama (Wash.) 8,193
Turtle Mountain (N.D.) 8,043
Flathead (Mont.) 7,883
--> Insgesamt lebten im Jahr 2000 ca. 1/2 Million Menschen in den Reservaten: 538.300
--> 4,3 Millionen US-Amerikaner waren im Jahr 2002 Indianischer Herkunft, dies entspricht 1,5% der Gesamtbevölkerungszahl, davon waren 3,1 Millionen Angehörige eines Stammes

Bevölkerungsreichste Stämme:*
Cherokee 729,533
Navajo 298,197
Latin American Indian 180,940
Choctaw 158,774
Sioux 153,360
Chippewa 149,669
Apache 96,833
Blackfeet 85,750
Iroquois 80,822
Pueblo 74,085

(*Quelle: BIA, Stand: 2000)

Allgegenwärtiger Staub und Sand, furchtbare Hitze und Trockenheit, Millionen von Fliegen, Mücken und Käfern kennzeichneten sehr oft die den Ureinwohnern Nordamerikas vorbehaltenen Wohn- und Schutzgebiete, die einen völlig wertlosen Ersatz für das ihnen von den Weißen geraubte Land darstellten. Diese Reservate lagen gewöhnlich weit weg von fruchtbaren Landstrichen, in den kargen Halbwüsten von New Mexico, Arizona und Kalifornien, in den ausgedörrten Sandsteppen von Oklahoma und Kansas, im zerklüfteten Gebirge von Nord-Carolina und in anderen trostlosen Gegenden, die die Weißen nicht haben wollten.

Gemäß der Redensart »Ein Indianer kann leben, wo ein weißer Mann verhungern würde«, wies die US-Regierung den Ureinwohnern grauenvolle, wüste Einöden als neue Heimstätten zu. Durch zweifelhafte Kaufverträge betrog Washington die Eingeborenen um ihre angestammten Jagdgründe, die dann zur Besiedlung durch Weiße freigegeben wurden. Durch ihre unterschiedliche Auffassung von Land, verstanden die Indianer anfangs den Gedanken nicht, ihre Heimat zu handeln, zu tauschen oder zu veräußern. So glaubten sie - die man vor Kontraktabschlüssen oft auch betrunken machte, damit sie umso williger ihre eigenen Enteignung unterzeichneten -, dass sie den Weißen ihr Land nur für eine bestimmte zeitlich begrenzte Periode zur Verfügung stellen würden und dass sie danach wieder in dessen Besitz kämen. Setzten sich die Indianer gegen den von oben abgesegneten US-Landraub zur Wehr, wurde die Armee der Vereinigten Staaten herbeibeordert und der ganze Stamm vertrieben. Als Präsident Andrew Jackson sein »Indianer-Aussiedelungsgesetz« (Indian Removal Act) 1830 durch den Kongress schleuste, verfügte die amerikanische Regierung endlich über die legale Handhabe zur Zwangsevakuierung der Ureinwohner in die wasserarme Steinwüste des späteren Oklahoma, das damals zum Indianerterritorium wurde.

Das Konzept der Reservationen ging auf die "Betstädte" des 17. Jahrhunderts zurück. Seit 1786 richteten die US-amerikanische und die kanadische Regierung Indianerreservationen ein, wodurch sie hofften, Konflikte zwischen den Indianern und den weißen Siedlern zu vermeiden und die Indianer überwachen und (gelegentlich) versorgen zu können. Die Einrichtung von Reservationen zielte zuerst darauf ab, die Indianer von der weißen Gesellschaft fernzuhalten. Später hoffte man auch, so ihre Assimilierung beschleunigen zu können. Den indianischen Ethnien stand es mehr oder weniger frei, wie sie sich in ihren Gebieten organisieren wollten. Die ersten Reservate im modernen Sinn entstanden in den ersten Jahrzehnten nach der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten im Nordosten. Sie sollten das Heimatland einer lokalen Indianergruppe sein; doch als der Landhunger der Weißen wuchs, gaben die Behörden den Anspruch auf, die Integrität der Stämme wahren zu wollen. Tausendjährige Traditionen wurden in nur wenigen Jahrzehnten ausgelöscht. 1825 faßte die US-Regierung eine dauerhafte Regelung der "Indianerfrage" in Form eines riesigen Indianergebietes westlich des Mississippi ins Auge. Das seit 1834 offiziell als Indianer-Territorium bekannte Gebiet erstreckte sich über das heutige Kansas, über Oklahoma und Teile von Nebraska, Colorado und Wyoming. 1837 kam es dann zur Gründung dieses eigenen Indianerterritoriums, in das auf Grundlage des Indian Removal Acts von 1830 Indianer aus dem Osten des Landes, insgesamt mehr als 100 000 Menschen, zwangsumgesiedelt wurden. Die ersten Reservationen wurden den fünf vertriebenen Völkern des Südostens zugewiesen. Je weiter sich allerdings die Grenze der USA nach Westen vorschob, desto häufiger kam es zu Übergriffen weißer Siedler auf Indianergebiete; die Indianer selbst wurden als Hindernis für den Fortschritt angesehen. Trotz der schlechten Bodenverhältnisse und der lebensfeindlichen klimatischen Bedingungen in den einstigen Reservaten missgönnten viele Weiße den Ureinwohnern sogar diese von jeglicher Vegetation entblößten Regionen, sodass General William T. Sherman, Oberbefehlshaber der US-Armee zur Zeit der letzten Indianerkriege, mit Recht sagen könnte: »Ein Reservat ist eine Landparzelle, die für Indianer bestimmt und vollständig umzingelt ist von weißen Dieben. «

Ausgelöst durch den kalifornischen Goldrausch wurden den Indianern seit 1849 neue Verträge aufgezwungen, in denen diese an Rechte an dem Land, das in der Nähe der großen Überlandverkehrswege zum Pazifik gelegen war, abtreten sollten. In der Folge wurden die Reservate verkleinert oder in abgelegene, wenig attraktive Gegenden verlegt. Eine Zeitlang entwickelten sich die Reservate prächtig. Doch der Bürgerkrieg um 1860 führte zu ihrem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Gegen Kriegsende wurden weitere Stämme gezwungen, neue Verträge anzunehmen und den Komantschen-, Kiowa- und Cheyenne-Stämmen sowie den aus dem Norden vertriebenen Völkern Land zu überlassen. In das spätere Oklahoma wurden mehr als 65 Stämme und Gruppen abgeschoben - Landwirte und Jäger, Freunde, Feinde und Fremde. Übergriffe auf indianisches Gebiet gab es schon vor dem Bürgerkrieg. Der Name Oklahoma, der »Rotes Volk« bedeutet, wurde 1866 vom Choctaw-Häuptling Allen Wright geprägt, als die 67 Stämme, die Washington dorthin zwangsumgesiedelt hatte, Pläne für einen Indianerstaat schmiedeten, der den Namen des schöpferischen Denkers der Cherokee, Sequoyah, tragen sollte, dessen Gründung aber am Einspruch der Weißen scheiterte. In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts war das für die Indianer reservierte Gebiet auf rund 53,4 Millionen Hektar verringert worden. Obwohl dieses Gebiet westlich des Mississippi für alle Zeiten dem roten Mann zugesprochen worden war, wurden die Indianer in ihrem eigenen Haus zu einem Untermieterdasein erniedrigt, als ihre neue Heimat Oklahoma am 16. November 1907 zum 46. Bundesstaat der Union erhoben und damit die Erschließung durch die Weißen preisgegeben wurde. Das "unantastbare" Territorium der Indianer war nach und nach in Staatsform organisiert worden und das Indianerterritorium aufgelöst worden. Die Indianer konnten ihre Ernährung, nachdem sie aus ihren besten Jagdgründen vertrieben worden waren, auf dem verbleibenden unfruchtbaren Land kaum noch sichern; ihre Kulturen wurden durch den Kontakt mit den Weißen weitgehend zerstört. Die Auflösung des Territoriums wurde auch dadurch beschleunigt, daß man Stammesgebiete einzelnen Eigentümern zuteilte, um die Indianer schneller zu assimilieren. Der General Allotment Act von Dawes aus dem Jahre 1887 sah vor, die Stammesgebiete in kleine Landstriche von höchstens 64 Hektar aufzuteilen und diese jeweils einer Person zuzuteilen, eine Politik die den indianischen Traditionen des Gemeinschaftslebens fremd war. Das Resultat war der Verlust von 39 Millionen Hektar Reservationsgebieten. Statt, wie vorgesehen, ihren Grund landwirtschaftlich zu nutzen, sahen sich viele Indianer genötigt, ihr Land an Weiße zu verkaufen oder zu verpachten. Daher verfügten die Indianer 1934 nur noch über rund 25 Prozent der Gebiete, die sie in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts besessen hatten. Der letzte Vorstoß, die Reservate zu beseitigen, wurde 1953 unternommen, als der Kongress beschloss, Reservationsland zurückzukaufen. Noch bevor diese Politik wieder verworfen wurde, hatten 19 Stämme mehr als eine Million Hektar Land verloren. Erst in den letzten Jahrzehnten kehrte sich dieser Trend mit der Beilegung einiger Schadenersatzklagen um verlorene Landgebiete wieder um.

Die Siedlungspolitik in Kanada verlief historisch ähnlich, wenn auch weniger hart als in den USA; doch auch hier mußten die Indianer ins Exil der Reservationen. Erst im ausgehenden 20. Jahrhundert wurde ein Abkommen unterzeichnet, das die Territorien des Nordwestens zwischen Indianern (Dene und Metis) im Westen und Inuit im Osten aufteilt.

Den meisten Stämmen gehört das Land, auf dem ihre Reservate liegen, aber in der Regel wird es von der amerikanischen Bundesregierung treuhänderisch verwaltet. Als Treuhänder muss die Regierung sicherstellen, dass das Land ordnungsgemäß verwaltet wird und den indianischen Eigentümern erhalten bleibt.

Reservate heute

In den USA (einschl. Alaska) gibt es heute ca. 300 Reservate in der Größe zwischen einer einfachen Dorfgemarkung und 65000 Quadratkilometer, mit einer Einwohnerschaft zwischen 3000 und 200000 Menschen. Das ausgedehnteste Schutzgebiet mit der größten Bevölkerung ist das der Navahos in Arizona.

Wie der Name »Arizone« besagt, handelt es sich um eine von der Sonne ausgedörrte Öde von radikaler Dürre, brütender Sommerglut und spärlichem Niederschlag. Von den mehr als 4 Millionen Indianern der Vereinigten Staaten leben ungefähr 500.000 in Reservaten, die unter der Oberaufsicht der amerikanischen Regierung stehen. Das Land der Schutzgebiete ist steuerfrei und kann ohne Einwilligung des Staates und der einzelnen Stämme, denen es gehört, weder verkauft noch verschenkt, weder vermietet noch verpachtet werden. Weißen Privatleuten ist es untersagt, dort Grund und Boden zu erwerben.

Durch Reservate, die im 19. Jahrhundert weit entfernt von den Zentren der Weißen angelegt worden waren, gerieten einige Gruppen in den Besitz von Ressourcen, die sich im 20. Jahrhundert als äußerst wertvoll erweisen sollten. Einige Reservate im Westen der USA verfügen über große Kohle-, Erdgas-, Uran- und Erdölvorkommen. Seit Jahren herrscht zwischen Indianern und Regierung Streit darüber, wer diese Ressourcen verwalten und ausbeuten soll. In der Vergangenheit regelte die Regierung als Treuhänder alle Verträge zwischen den Stämmen und den Energiekonzernen, aber in jüngster Zeit verlangten die indianischen Vertreter mehr Mitspracherechte bei der Abwicklung dieser Geschäfte.

Die soziale und menschliche Situation der heutigen Reservatsindianer kann man kaum anders als erbärmlich nennen. Die Reservate bilden meist Armutsenklaven innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft. Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Minimallöhne und Bildungsnot sind eher die Regel als die Ausnahme. Das mittlere Familieneinkommen in den Reservaten liegt weit unter dem Landesdurchschnitt. Ein hoher Prozentsatz der Kinder verlässt die Schule, ohne einen Abschluss erreicht zu haben; viele beenden ihre Schulausbildung verspätet. Die Rate der Säuglings- und Kindersterblichkeit liegt höher und die mittlere Lebenserwartung ist niedriger als im Landesdurchschnitt. Hohe Selbstmordraten bei Jugendlichen und extreme Krankheitsanfälligkeit infolge schlechter Ernährung charakterisieren den menschenunwürdigen amerindianischen Lebensstandard. Obwohl das Büro für Indianische Angelegenheiten (Bureau of Indian Affairs, BIA), dem die Reservate unterstehen, sich darum bemüht, die ungünstige wirtschaftliche Lage der nordamerikanischen Ureinwohner zu verbessern, ist noch kein richtiger Durchbruch erzielt worden.

Erst 90 Jahre nach Ende des Krieges zwischen Eingeborenen und amerikanischen Pionieren dürfen die in Reservaten lebenden Indianer wieder frei Waffen und Munition kaufen. Das Gesetz aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, das eine Sondergenehmigung für die Waffenkäufe vorschrieb, wurde erst Anfang 1979 wieder aufgehoben.

Die Indianer müssen jedoch nicht im Reservat bleiben, sondern können es zu jeder Zeit verlassen. Die Regierung hat ihnen nämlich das zweischneidige Recht zuerkannt, zwischen der Existenz innerhalb oder außerhalb eines Reservats zu wählen. Es liegt demnach allein bei ihnen, die schwerwiegende Entscheidung zu fällen, ob sie Wohlfahrtsempfänger auf Lebenszeit des mit Sonderrechten versehenen Stammes oder traurige Staatsbürger zweiter Klasse in der wettbewerbsergebenen und rassistisch eingestellten Gesellschaft der Weißen werden möchten. Von ihnen hängt es ab, ob sie den Fortbestand des indianischen Brauchtums oder die totale Integration anstreben. Solange aber diese theoretische Wahlmöglichkeit keine richtige praktische Alternative mit sich bringt und der Großstadtindianer unter den Auswüchsen der Rassendiskriminierung zu leiden hat, betrachten viele Indianer die Existenz von Reservaten als Grundvoraussetzung für den Erhalt ihrer Kultur, da es sich gezeigt hat, dass der Weg der Integration in die europäisch dominierte amerikanische Gesellschaft außerhalb der Reservate zu noch größeren soziokulturellen Problemen führt.

Siehe auch



Weblinks



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