Reisen im Indianerland Südwesten

Die Stämme der Navahos und Hopis im grössten Indianer-Reservat der Vereinigten Staaten

Auch wenn viele Indianerreservate abseits der Haupttouristenströme an wenig attraktiven Orten liegen, stößt der Amerikareisende, dessen Route die Nationalparks im südlichen Utah und den Grand Canyon in Arizona berührt, unweigerlich auf die flächenmässig größte Reservation in den Vereinigten Staaten: die Navajo Indian Reservation, die sich mit über 6 Millionen Hektar über größere Areale in den Bundesstaaten New Mexico, Utah und Arizona ausdehnt. Der Ursprung der Navahos liegt, genau wie die Wurzeln der Apachen, im Norden der USA/südlichen Kanada. Die Navahos siedelten sich erst im 16. Jahrhundert im Südwesten an und entwickelten sich binnen eines Jahrhunderts vom jagenden, weit umherstreifenden Nomadenvolk zu einem sesshaften Hirtenvolk.

Obwohl der ursprüngliche Name der Navahos „Volk mit großen Feldern“ auf eine ausgedehnte Landwirtschaft schließen lässt, perfektionierten sie diese bei weitem nicht so wie ihre Nachbarn, die sesshaften Hopi. Deren „Schutzgebiet“, die Hopi Indian Reservation, liegt eingebettet in das Reservatsgebiet der Navahos. Traditionell standen sich die Hopi und die Navahos eher feindlich-kriegerisch gegenüber. Zu unterschiedlich waren die Wurzeln der Kulturen. Die Hopi zählen seit jeher zu den sesshaften Pueblo-Völkern und hatten bereits im Jahr um 700 n. Chr. eine florierende Landwirtschaft entwickelt. 400 Jahre später, als in Europa noch finsteres Mittelalter herrschte, konnten sie bereits eine hoch entwickelte Kultur und eine religiöse, vom Clanwesen geprägte Gesellschaftsform vorweisen. Sie lebten in mehrstöckigen Lehmziegelhäusern (den s.g. Adobe-Bauten).

In späteren Jahrhunderten lieferten sich beide Stammesgruppen erbitterte Gefechte, Hopi und Navahos untereinander und auch gegen die von Süden eindringenden Spanier. Doch auch der Widerstand dieser Völker wurde im 19. Jahrhundert gebrochen. Der Leidensweg der Navahos begann mit der Niederlage im Canyon de Chelly, wo sie 1863, nach fast 15 Jahren erbitterten Auseinandersetzungen mit der Armee, von einer Armeeinheit unter der Führung des legendären Kit Carson, besiegt wurden. Nach der Deportation des Stammes und fünf Jahren Verbannung in die öde, lebensfeindliche, von Krankheit und Elend geprägte Umgebung des Bosque Redondo-Reservat, durften die Navahos 1868 nach zähem Ringen mit der Regierung der USA, erst nachdem ein großer Teil des Stammes an den Entbehrungen gestorben war, in ein Reservat in ihrem angestammten Land im Four-Corners-Gebiet zurückkehren. Von General William T. Sherman wurde das Gebiet 1868 den Navaho zugesichert. Seitdem haben es die Navahos mit sagenhaften Geschick und Improvisationstalent geschafft, die Weide- und Wasserrechte in einem eigentlich viel zu kleinen Gebiet für die ständig wachsende Bevölkerung zu organisieren und sich friedlich mit der Regierung, Agenten und später dem BIA (Büro für indianische Angelegenheiten) zu arrangieren. Obgleich die Grenzen des Reservates schon mehrmals erweitert wurden, und es die größte Reservation der USA ist, sind die Ländereien für die wachsende Bevölkerung und Schafwirtschaft der Navahos trotzdem unterdimensioniert.

Die reichhaltigen Vorkommen an Öl- und Gas im San Juan-Gebiet hat den Navahos im Vergleich zu anderen Stämmen einen sehr bescheidenen Wohlstand gebracht. Wenn sie noch heute lieber im Trailer wohnen, so hat dies nicht nur materielle sondern auch praktische Gründe. Die Regierung baute einmal sehr schöne Eigenheime für verschiedene Navaho-Familien. Die Familien blieben aber trotzdem lieber in ihren Hogans oder im Trailer wohnen, da andere Behausungen für die klimatischen Bedingungen einfach nicht so komfortabel waren. Wenn Reisende heute durch die große Navaho Reservation fahren, sollte man die allgegenwärtigen Trailer in einem anderen Licht betrachten. Sie können mit dem Pickup den im Zyklus der Jahreszeiten wechselnden Wasservorkommen angepasst werden, indem man einfach den Standort wechselt und den Trailer zur „Sommerresidenz“ mit noch nicht versiegter Quelle verfrachtet. Gleichwohl die Navahos mit zu den reichsten Stämmen gehören, so ist ihr Lebensstandard, ihre beruflichen Perspektiven, Krankheitsstatistiken, Lebenserwartung, Alkoholismus, Arbeitslosigkeit noch sehr stark unterhalb des Levels der weißen Bevölkerung. Wenn man dem Stamm etwas Gutes tun möchte, sollte man indianische Handarbeiten, Kunsthandwerk direkt im Reservat erwerben und sich einer der angebotenen geführten Touren anschliessen. Die "Hauptstadt" der Navajo Reservation ist Window Rock/Arizona, namensgebend war ein Loch im Fels.

Obgleich die Hopis die Dollars aus dem Tourismus gut gebrauchen können, legen sie gegenüber Reisenden mehr Zurückhaltung an den Tag als die Navahos, mit denen man leicht ins Gespräch kommen kann. Von zentraler Bedeutung für die Hopi-Kultur sind die in jahreszeitlichen Zyklen stattfindenden religiösen Zeremonien, die entweder im Kreise der Clans in unterirdischen Kammern (den s.g. Kivas) oder auch für Besucher offen im freien stattfinden. Dabei spielt ein Ahnenkult eine große Rolle, in Form der Kachinas. Diese Kachinas (Schutzgeister der Hopi) werden durch maskierte und in prächtige Gewänder gehüllte Tänzer symbolisiert. Gerne besucht werden diese Veranstaltungen zu hohen Festtagen der Hopi. Diese traditionellen Tanzfeste haben noch immer spirituelle Bedeutung und sind mehr als folkloristische Veranstaltungen für die Touristen. Der traditionell alle 2 Jahre im August abgehaltene „Schlangentanz“ - eigentlich ein Regentanz - der Hopi lockt tausende von Besuchern in die Dörfer.

Auf dem Gebiet der Navahos liegen einige der herausragenden Sehenswürdigkeiten im Südwesten der USA: Monument Valley, Canyon de Chelly, Antelope Canyon. Diese spektakulären Landschaften sind unwiderruflich mit dem Wilden Westen verbunden. Neben gigantischen Tafelbergen (Mesas) und Canyons verschiedener Ausprägung, gleicht die Landschaft überwiegend einer Steinwüste. In der anhaltenden Trockenheit des Südwestens führen selbst größere Flüsse über viele Monate des Jahres kein Wasser, was Land- und Viehwirtschaft vor enorme Herausforderungen stellt. Neben unbarmherziger Hitze, kann es im Gebiet des Colorado-Plateaus (das Reservat liegt auf 1500 bis 2000 m Höhe) zu heftigen Temperaturschwankungen in Größenordnungen von 70° Celsius über das Jahr kommen. Die meisten Strassen im Reservat sind staubige Pisten, die plötzlich vor einem Trailer, Hogan (tradit. Navajo-Haus) oder im Arroyo (trockenes Flussbett) enden.
 
 

Für einen Besuch des Monument Valleys eignet sich der Ort Goulding vorzüglich. Man kann Monument Valley aber auch auf der Durchreise vom südlichen Utah auf dem Hwy 181 nach Kayenta, einen Besuch abstatten. Die Fahrt auf der Dirt Road des 17 Meilen langen Valley Drives ist bei guter Witterung mit jedem Strassen-PKW möglich. Man darf aber die Strasse nicht verlassen und sich auch nicht zu Fuss von der Strasse entfernen. Der Zutritt Navajo Tribal Park ist kostenpflichtig (5 Dollar pro Person, Stand Nov. 2005).

Unweit des Monument Valleys sollte man sich auch weitere Naturhighlights nicht entgehen lassen: Muley Point, Goosenecks of the San Juan River State Park, Valley of the Gods.
 
Für den Besuch der Antelope Canyons (Upper and Lower) bietet sich Page als Standort an.

Der Canyon de Chelly ist etwas abseits der Haupttouristenrouten, lohnt aber nicht nur durch seine kulturelle Bedeutung der präkolumbischen Ruinen, sondern auch wegen der einzigartigen Landschaft. Der Spider Rock ist eine steil vom Canyonboden aufragende Felsnadel und beliebtes Fotomotiv.

Unmittelbar an die große Navaho Reservation grenzen populäre Nationalparks und National Monumente an. Im Westen erstreckt sich an die Navaho Reservation der Grand Canyon NP an. Im Norden begrenzt von Lake Powell und im Nordosten vom Mesa Verde Nationalpark, schließt sich im Süden der Petrified Forest National Park an. Daneben finden sich in der Nähe weitere National Monuments wie Montezuma Castle, El Malpais, Wupatki, Hovenweep und das im Jahr 2000 gegründete Canyons of the Ancients NM.

Auch die Reservationen der Apachen, Utes, Zunis und verschiedener Pueblovölker befinden sich in der näheren Umgebung der Navaho/Hopi Indian Reservation. Wer die Armut in der Navaho Reservation nicht ertragen kann, sollte der San Carlos und Fort Apache Reservation besser keinen Besuch abstatten. Spätestens hier gerät das evtl. von Karl May geprägte Apachenbild aus den Fugen. Statt auf Freiheit, Stolz und Tapferkeit trifft man hier auf Elend und Resignation und kann sich ein gutes Bild vom trostlosen Leben in den Reservaten machen. Schlimmer soll es nur noch in der Pine Ridge Reservation (South Dakota) sein, der Reservation wo die Nachfahren des legendären Sitting Bull ein trostloses Leben fristen und wo einst die letzte Hoffnung der Indianer auf ein freies Leben im Kugelhagel am Wounded Knee begraben wurde.

Zum Einstimmen auf die Kultur der Navahos und den Südwesten taugen die Kriminalromane des Schriftstellers Tony Hillermann. Für die Entfaltung der Handlung um die Ermittlungen der Navajo-Polizisten Joe Leaphorn und Jim Chee spielt die Kultur der Navaho, auch Dineh (= das Volk), und teilweise auch der Hopi, eine zentrale Rolle. Die Beschreibungen der Landschaften sind so plastisch, dass die Orte in lebhaften Bildern vor dem inneren Auge entstehen.

LINKS:
Discover Navajo-The Official Navajo Nation Visitor Guide
Official Site of the Navajo Nation


siehe auch den Artikel über Indian Reservations

Canyoncrawler
Anzeigen