Verdun

Koordinaten: 49°9'33"N, 5°23'02"E
Wahrscheinlich wäre Verdun heute ein kleines und gemütliches Städtchen in Lothringen mit einer schmucken Altstadt und zwei idyllischen Parks an den Ufern der Maas. Gleich einem jener Orte, von denen es in Frankreich so viele gibt. Doch mit dem Namen Verdun wird für immer auch jene düstere Episode der Geschichte verbunden sein, die sich im Ersten Weltkrieg hier abspielte: Die grausame Schlacht um Verdun.

Verdun hat einen Weg gefunden, um verantwortungsvoll mit seiner traurigen Vergangenheit umzugehen. Die eigene Geschichte ist in die weitere Entwicklung des Ortes integriert. Einerseits trägt die Pflege und der Erhalt historischer Orte und Stätten dazu bei, dass die geschichtlichen Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten, andererseits vollzieht Verdun die typische Entwicklung einer modernen Kleinstadt. Vergangenheit und Gegenwart existieren auf verträgliche Weise nebeneinander, ohne dass eines das andere dominieren würde. So ist auf lange Sicht ein würdevoller Umgang mit Verduns Vergangenheit und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit des Ortes gesichert.

Die Schlacht um Verdun


Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurde das Elsass vom Deutschen Reich annektiert. Damit lag Verdun im Grenzgebiet und wurde schnell zum Angelpunkt der von General Séré de Rivières initiierten Verteidigungsstrategie für die französische Ostfront.

Die umliegenden Hügel sowie die kleine und solide Zitadelle wurden mit einer doppelten Wehrmauer umgeben und von 1874 bis 1914 ständig mit Betonverstärkungen und gepanzerten MG-Ständen weiter ausgebaut. Das Rückgrat der Wehranlagen bildeten 39 Festungen und Bollwerke in einem Umkreis von 45 km. Dazwischen lagen zur weiteren Unterstützung zahlreiche kleinere Anlagen (Unterstände, Waffenlager und Munitionsmagazine, Verschanzungen, Geschützstände usw.). Dieser unüberwindliche Verteidigungsgürtel konnte in Zeiten der Mobilmachung mit 66 000 Mann besetzt werden, wurde von einem militärischen Schmalspur-Schienennetz (185 km) versorgt und war mit Kasernen, Waffenlagern, Exerzierplätzen, Zeppelinen und einem Militärflugplatz ausgestattet.

Die Bollwerke um Verdun bildeten 1914 das Kernstück der französischen Verteidigung, wurden aber 1915 durch den Abzug großer Teile der Artillerie und der hier stationierten Truppen entscheidend geschwächt. Die Deutschen beschlossen daraufhin, diese Linie durch einen gewaltigen, schnellen und entscheidenden Angriff zu durchbrechen.

300 Tage und 300 Nächte lang spielten sich die Kämpfe in dem begrenzten Gebiet der befestigten Meuse-Anhöhen ab, in denen eine bisher nie erreichte Zahl von Soldaten und gewaltige Mengen an Material eingesetzt wurden. Die Schlacht um Verdun markiert den Beginn der großen Materialschlachten des Ersten Weltkrieges - niemals zuvor war die Industrialisierung des Krieges so deutlich geworden.

Auf Verdun und seine Umgebung gingen 60 Millionen Geschosse nieder. Dieser unablässig niederprasselnde Artillerieregen forderte mehr als 300 000 Tote und Vermisste und ließ 450 000 Verletzte zurück. In der Schlacht um Verdun überlebten oder starben die Soldaten, Franzosen wie Deutsche, allein oder in kleinen, vereinzelten Gruppen, neben toten Kameraden in Granatentrichtern kauernd, der Kälte, dem Durst und dem Schlamm ausgeliefert, allein mit ihrer Angst, ihren Wahnvorstellungen, ihrer Hoffungslosigkeit und mit ihren Befehlen: Angreifen oder Standhalten. Verdun gilt vielen Historikern als die grauenvollste Schlacht der Weltgeschichte - häufig wird auch von der "Hölle von Verdun", der "Knochenmühle" oder "Blutpumpe" gesprochen.

Die monatelangen erbitterten Kämpfe vor Verdun verdeutlichen die militärische Wertlosigkeit der damaligen Stellungskriege. Verdun gilt heute als Mahnmal gegen kriegerische Handlungen und dient der gemeinsamen Erinnerung und vor der Welt als Zeichen der geglückten deutsch-französischen Aussöhnung.

Verlauf der Kampfhandlungen um Verdun


Ab dem 21. Februar 1916 zerschlug das deutsche Trommelfeuer die französischen Stellungen. Trotz ihres erbitterten Wiederstand konnten die französischen Truppen den Angriff nicht abwehren und zogen sich nach 36 Stunden geschlagen aus dem Wald von Caures zurück. Am 25. Februar wurde die Festung Douaumont eingenommen. Die Situation der Franzosen wurde kritisch, und da die Rettung Verduns immer unwahrscheinlicher erschien, flohen auch die letzten Bürger der Stadt.

Am 26. Februar wurde General Pétain beauftragt, die Verteidigungsschlacht zu leiten: er organisierte die Stellungen neu, rüstete die Festungen wieder auf und ließ über die Voie Sacrée („Heiliger Weg“) Soldaten und Material an die Front kommen. Der deutsche Angriff konnte so durch die mit dem Mut der Verzweiflung kämpfenden französischen Einheiten zurückgeschlagen werden.

Im März dehnte der deutsche Oberbefehlshaber Erich von Falkenhayn die Angriffsfront auf das linke Meuseufer aus: So fanden nun auch vor Avocourt, sowie an den Hängen des Mort-Homme (Toter Mann) und an der Cote 304 (Höhenlinie 304) erbitterte Kämpfe statt. Das andere Ende der Umzingelung bildeten die Gebiete um Vaux und la Caillette, deren hart umkämpften engen Flusstäler daraufhin die Bezeichnung "Todesschluchten" bekamen. Die französische Front wich zurück, aber hielt stand.

Im Mai wurden die Verteidigungslinien der Cote 204, des Mort-Homme und Cumières überrannt, und im folgenden wurde jeder gewonnene oder verlorene Meter der Frontlinie mit unsäglichem Leidern umkämpft. Am 9. März erreichten die Deutschen die Festung Vaux, und durch ihre Einnahme am 7. Juni sollte die französische Verteidigung hier rasch ihren vorläufigen Gnadenstoß erhalten – noch vor der bevorstehenden französisch-britischen Offensive an der Somme.

Am 23. Juni stürmten die Deutschen mit 50 000 Mann die letzten Hügel von Verdun. Sie nahmen das Hochplateau von Thiaumont und das verwüstete Dorf Fleury ein, kamen aber bei der Wehranlage Froideterre nicht weiter. Ein letzter Angriffsversuch der Deutschen, die sich nun den Gegenangriffen an der Somme widersetzen mussten, kam am 11. und 12. Juli auf der Festung Souville zum Erliegen. Hier waren die deutschen Angreifer nur noch 4 km von Verdun entfernt, mussten aber ihre Eroberungspläne endgültig aufgeben.

Nach der endgültigen Abwehr der deutschen Angriffe nahmen von nun an die Franzosen die Kampfhandlungen in die Hand: Am 17. August eroberten sie Fleury zurück und im Herbst war jegliche Gefahr von Verdun abgewehrt. Die Festung Douaumont wurde am 24. Oktober wieder besetzt, Vaux gleich darauf um 2. November. Im Dezember war das seit 8 Monaten umkämpfte Terrain fast vollständig zurückgewonnen. Doch bis die Front endgültig wieder an den Wald von Caures zurückgedrängt war, wurden noch 2 Jahre harte Kämpfe und die Unterstützung der amerikanischen Truppen 1918 benötigt.

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