Whitehorse

Koordinaten: 60°43'11"N, 135°3'05"W
Whitehorse, ein Name wie der eines Indianerhäuptlings. Doch tatsächlich ist es die Hauptstadt des Yukon Territoriums, dessen rund 22.000 Einwohner mehr als Zweidrittel der Gesamtbevölkerung des Territoriums stellen. Mit seinem Flughafen, dem einzigen für Großflugzeuge, seiner Lage an Alaska und Klondike Highway sowie am Yukon River ist Whitehorse der Dreh- und Angelpunkt für Politik, Logistik, Aktivitäten und Wirtschaft. Der Sitz der Territoriums-Regierung ist nicht schön, sondern sieht wie viele nordamerikanische Städte, die erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden, wie am Reißbrett geplant aus. Dafür liegt es 640 Meter über dem Meeresspiegel, eingerahmt von Bergen, umgeben von Seen und verfügt über ein nennenswertes Kultur-, Freizeit- und Nachtleben.
 

Vor der Besiedlung durch weiße Einwanderer lag an etwa gleicher Stelle ein Treffpunkt der Gwitchin-Indianer, vor allem vom Stamm der Ta'an Kwach'an. Während des Goldrausches wurde die heutige Stadt gegründet, da sich an dieser Stelle die White Horse Rapids im Yukon River befanden. Einige der bootsunkundigen Stampeder kamen in diesen Stromschnellen ums Leben, während andere ihre Ausrüstung tagelang drum herum trugen. Die Kämme der Wellen sahen aus, wie die Mähne eines galoppierenden, weißen Pferdes, von dem zuerst die Stromschnellen und später die Stadt ihren Namen bekamen. Im Jahr 1957 wurde zur Stromversorgung ein Wasserkraftwerk gebaut, dem die Stromschnellen zum Opfer vielen. An ihrer Stelle liegt jetzt der Schwatka Lake und lediglich der Miles Canyon, lässt noch ein bisschen vorn der Gewalt des Wassers erahnen.

Zweiter Boom durch Alaska Highway

Im Jahr 1900 wurde die White Pass & Yukon Railway vom etwa 160 Kilometer entfernten Skagway am Pazifik bis nach Whitehorse fertig gestellt. Die mit der Bahn transportierten Waren wurden hier auf Flussdampfer geladen und nach Dawson City verschifft. Auf dem Rückweg brachten sie das Gold und später vor allem das silberhaltige Gestein der United Keno Hill Gesellschaft zurück. Die Eisenbahn fährt mittlerweile nur noch für die Touristen von Skagway zum Bennet Lake oder Carcross, obwohl man immer wieder mal von Plänen hört, den Rest der Strecke wieder zu aktivieren. Den nächsten Boom in der Geschichte von Whitehorse stellte der kriegsbedingte Bau des Alaska Highways im Jahr 1942 dar. Die Bauaufsicht bezog ihr Hauptquartier hier, bei ungefähr der Hälfte der 2.400 Kilometer langen Strecke und die Einwohnerzahl schnellte von 500 auf über 8.000 hoch.
 

Nach dem Bau der Mayo Road, dem jetzigen Klondike Highway, löste Whitehorse am 31. März 1953 Dawson City als Hauptstadt des Territoriums ab. Der Rat der Stadt besteht aus einem Bürgermeister und sechs Stadträten. Die Verwaltung hat immerhin die mit knapp 415 Quadratkilometern – flächenmäßig – drittgrößte Stadt Kanadas zu verwalten. Neben der eigentlichen Innenstadt gibt es noch zahlreiche Vororte, teilweise in 70 Kilometern Entfernung und mehr. Hauptarbeitgeber der Yukon-Metropole ist die Regierung. Weitere Wirtschaftszweige sind Tourismus, Einzelhandel, Dienstleistung und ganz wenig Industrie, wie es für das ganze Territorium typisch ist. Unmittelbar hinter der Innenstadt beginnt die Wildnis und es kommt regelmäßig vor, dass Bären durch die Vororte marschieren.

„Internationaler“ Flughafen

Trotz des schachbrettartigen Aufbaus der Straßen hat die Kleinstadt ihren eigenen Charme, eine Relaxtheit, die vergleichbaren Städten in Europa fehlt. Das fängt beim Flughafen an, von dem tägliche Flüge nach Vancouver, Edmonton und Calgary gehen, die wiederum von mehreren Fluglinien ab Deutschland angeflogen werden. Im Sommer kann man sogar mit der Condor direkt von Frankfurt nach Whitehorse oder weiter nach Anchorage in Alaska fliegen. Aber auch zu einigen Orten im Territorium wie Dawson City, Old Crow oder in die Nordwest Territorien und Alaska kann man mehrmals wöchentlich von Whitehorse mit der Yukon Fluggesellschaft Air North fliegen. Schließlich sind handelt es sich dabei um Entfernungen von 500 Kilometern aufwärts. Will man Freunde am Flughafen, der etwas oberhalb der Innenstadt auf den so genannten Kliffs liegt, abholen, braucht man von dort erst los fahren, wenn man die Maschine landen sieht und ist trotzdem noch dort, bevor sie das Gepäck haben und durch den Zoll sind.
 

An Quartieren für jeden Geschmack besteht kein Mangel. Es gibt zahlreiche Hotels, Motels und Bed & Brekfast in der Innenstadt. Besonders das River View Hotel ist sehr beliebt. Für den schmaleren Geldbeutel und die Junggebliebenen gibt es zwei gemütliche Hostels, das Beez Kneez Backpackers und das Hide on Jeckel. Hier schläft man in Mehrbettzimmern, trifft Globetrotter aus der ganzen Welt, findet schnell Mitfahrgelegenheiten, -wanderer oder -kanuten und kann gebrauchte Ausrüstung oder Autos kaufen. Dazu sind Fahrrad-, Küchen-, Wohnzimmer- und Internetnutzung im Übernachtungspreis von jeweils nur 20 Dollar enthalten. Für Zelttouristen kommt nur der Robert Service Campground in Frage. Er liegt etwa drei Kilometer vor der Innenstadt am Ufer des Yukon Rivers und die Campsites sind wie fast überall in Nordamerika großzügig dimensioniert. Pro Zelt kostet die Übernachtung 14 Dollar, Dusche und Feuerholz müssen jedoch extra bezahlt werden, so dass vor allem Alleinreisende mit den Hostels besser bedient sind.

Für Wohnmobilreisende gibt es am Rande der Stadt die RV – von recreational vehicle – Parks, bei denen man auch sein Abwasser in Tanks ablassen oder den Strom anschließen kann. Mit bis zu 30 Dollar pro Übernachtung nicht unbedingt ein billiges Vergnügen. Kostenlose Alternative ist der Parkplatz des seit einigen Jahren in Whitehorse ansässigen Wal-Marts, natürlich zum Ärgernis RV-Park-Besitzer. Shoppen kann man in diversen Einkaufszentren. Allerdings muss man sich vor allem bei Lebensmitteln an andere Packungsgrößen gewöhnen, da noch immer viele Yukoner in der Wildnis wohnen und ihre Einkäufe teilweise nur monatsmäßig oder noch seltener tätigen: Säcke mit 20 Kilogramm Mehl, Zucker oder Salz sind normal. Alkoholische Getränke gibt es nur im Liquor Store und nicht in den Supermärkten.

Gaumenfreuden

Wer sich bekochen lassen will, kann in Whitehorse natürlich die Fast-Food-Ketten wie McDonald’s, Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken, Subway und wie sie alle heißen finden. Die jeweils einzigen im ganzen Territorium. Rein kanadisch ist Tim Horten`s, die Restaurantkette eines berühmten, mittlerweile verstorbenen Eishockeyspielers, die vor allem zum Frühstück aufgesucht wird. Auf der Main Street bietet das Pasta Palace gute und günstige Kost, während es im Pandas sogar bayrische Spezialitäten gibt. Am Ende der Main Street serviert Sam n‘ Andys seit langer Zeit mexikanische Küche. Auf der zweiten Straße kann man im Klondike Rib and Salmon BBQ historisch – nach nordamerikanischen Begriffen – dinieren: Das schlichte doch gemütliche Gebäude entstand kurz nach dem Goldrausch.
 

Zahlreiche Souvenir-, Schmuck- (Gold in vielen Variationen), aber auch Ausrüstungsgeschäfte findet man auf der Main Street. In der Buchhandlung Mac’s Fireweed Books gibt es ein riesiges Angebot über alles, was mit dem Norden Kanadas zu tun hat. Nur etwa 200 Meter weiter auf der zweiten Straße ist die öffentliche Bibliothek, in der auch Touristen pro Tag eine Stunde das Internet kostenlos nutzen können. Selbstverständlich gibt es ebenfalls Internet-Cafes in der Stadt. Die Autofahrer in Whitehorse sind gegenüber Fußgängern so zuvorkommend und höflich, dass es schon fast wieder nervt. Läuft man auf dem Bürgersteig durch die Innenstadt, verhält den Schritt und überlegt, eventuell die Straße zu überqueren, haben an beiden Straßenseiten schon fünf Autos angehalten. Jetzt muss man rüber, ob man will oder nicht.

„Wie die Krähe fliegt“

Erster Anlaufpunkt für die Sehenswürdigkeiten der Stadt ist das Visitor Reception Centre. Neben zahlreichem Informationsmaterial über Whitehorse und den Rest des Territoriums gibt es auch Broschüren über die NWT und Alaska. Praktisch ist der Whitehorse City-Map, Attraction and Service Guide, der jährlich aktualisiert wird. Zu empfehlen ist der Besuch des kostenlos gezeigten, knapp zwanzigminütigen Imagefilms „As the crow flies“. Nur ein paar Straßen weiter liegen die Blockhüttenkirche und der Blockhüttenwolkenkratzer, vier Cabins übereinander. Ein touristisches Muss ist der Besuch der S.S. Klondike, die für mit der Goldsuche begonnene und mit dem Bau der Highways beendete Dampfschifffahrt steht. Gegen ein geringes Entgelt kann man an einer Führung durch den 1959 an Land gezogenen und detailgenau restaurierten Flussdampfer teilnehmen.
 

Das MacBride Museum an der First Avenue zeigt nicht nur die Geschichte des Goldrausches sondern auch der Indianer und informiert über die Tierwelt mit Exponaten, von denen man einigen nur dort so nahe kommen sollte. Mehr für die amerikanischen Touristen ist der Waterfront Trolley, eine ausgediente Straßenbahn, die etwa 800 Meter langsam am Ufer des Yukons entlang fährt und keinen historischen Bezug hat. Abends bietet sich ein Besuch der Frantic Follies im Westmark Hotel an, einer frisch-frechen Revue über den Goldrausch. In vielen Kneipen kann man ohne zusätzlichen Eintrittspreis Live-Musik hören, allerdings ist das Bier dann teurer. Auf der Main Street bieten des Lizzards meistens Mainstream-Pop und die Discovery Bar Soul und Jazz, während es im Capital Hotel eher rockiger zugeht. Hier sollte sich nur ein Zimmer nehmen, wer stocktaub ist oder regelmäßig bis zum Ende des Barbetriebs an der Theke bleibt. Im Trail of ’98 auf der Wood Street geht es bei einheimischen Klängen oft hoch her.

Bier und viel Musik

Viel Musik gibt es auch im Yukon Convention Centre, dem ehemaligen Hallenbad. Bisweilen finden Konzerte im Yukon Arts Centre statt, das jedoch schon einige Kilometer entfernt am Yukon College liegt. Informationen zu Konzerten und Veranstaltungen erhält man aus den beiden Zeitungen in Whitehorse, der Whitehorse Daily Star und der Yukon News, die mehrmals pro Woche erscheinen. Noch etwas weiter entfernt ist das Kopper King, eine Bar die von der einheimischen Jugend stark frequentiert wird. Am „thirsty thursday“ werden die Getränke billiger angeboten.

Die Zeitungen informieren zu den vielen Veranstaltungen, die ganzjährig in Whitehorse statt finden: Sportveranstaltungen wie das Hundeschlittenrennen Yukon Quest, für das Whitehorse entweder Ziel- oder Startort ist, die Yukon River Quest, das längste Kanurennen der Welt über 700 Kilometer von Whitehorse nach Dawson City, der Yukon Road Relay, ein Mannschaftsrennen für Radfahrer, der Yukon Trail Marathon, das Rodeo und, und, und. Fieberhaft werden schon Sportstätten für die kanadischen Winterspiele gebaut, deren Gastgeber Whitehorse im Jahr 2007 sein wird. Selbst einen Golfkurs gibt es bei Whitehorse. Außerdem viele andere Veranstaltungen wie das Sourdough Rendezvous, das Frostbite Musikfestival, das Storytelling Festival, das Klondike Erntefest und natürlich die jährliche Parade zum Canada Day am 1. Juli mit Quietscheentenrennen für einen guten Zweck.
 

Wanderungen durch die Stadt und ihre unmittelbare Umgebung bietet die Yukon Conservation Society an. Wer sich einen Überblick auf Downtown verschaffen will, kann an der Wood Street auf kurzen, steilen Pfaden die Cliffs hoch steigen. Soll es etwas weiter weg gehen, kann man sich dem Yukon Outdoors Club anschließen. Nur wenige Kilometer sind es zum Vorort Riverdale, von dem ein sehr schlechter Schotterweg zum Grey Mountain führt. Man kann dessen Bergkette entlang wandern und an klaren Tagen hundert Kilometer und weiter sehen. Auf der anderen Seite von Riverdale liegen das Wasserkraftwerk und der Schwatka Lake. Da Lachse den Yukon hoch ziehen – in Whitehorse angekommen haben sie weit über 3.000 Kilometer flussaufwärts hinter sich – wurde eine Treppe für die Fische gebaut, auf der sie das Kraftwerk passieren können. Es gibt einen kleinen Schauraum mit Sichtfenster, in dem man die Lachse vorbei schwimmen sehen kann. Auf der anderen Seite von Fluss und See, kann man an diesem vorbei fahren zum Miles Canyon fahren.

Vom Mammut zur DC 3

Am Flughafen befinden sich das Beringia Centre, das Aufschluss über das Leben während der letzten Eiszeit während der ein Teil des jetzigen Territoriums einen eisfreien Korridor bildete, und das Transportation Museum, das über die hier benutzten Transportmittel der vergangenen Centurie informiert. Direkt vor dem Flughafen dreht sich eine alte DC 3 im Wind und wird als „größte Wetterfahne der Welt“ bezeichnet. Weiter in nördliche Richtung von Downtown muss man fahren, will man den Copper Belt besuchen. In liebevoller Kleinarbeit haben einige Enthusiasten eine kleine Bahnstrecke mit entsprechender Umgebung im Kupfergürtel aufgebaut. Sonntags kann man kostenlos eine kurze Rundtour in den von einem alten Minendiesel gezogenen Wagen vom westernähnlichen Bahnhof starten.
 

Nicht weit davon kann man den Haeckel Hill hochfahren, dessen Gipfel eine tolle Aussicht bietet und auf dem zwei große Windkraftanlagen stehen. Oder man nimmt den Weg zum Fish Lake unter die Räder. Rund 25 Kilometer von der City sind die Takhini Hot Springs entfernt. Das Wasser aus den heißen Quellen wird in Becken geleitet, in denen man sich aalen kann.

Wer sich auf größere Kanu- oder Wandertouren begeben will, findet in Whitehorse viele Unternehmen, die entsprechende Ausrüstung oder geführte Touren anbieten. Über kurz oder lang führt kein Weg an Whitehorse vorbei, dem liebens- und lebenswerten Dreh- und Angelpunkt des Yukon Territoriums.




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